HomeAllgemein Hype oder Notwendigkeit – der Oberhitzegrill

Hype oder Notwendigkeit – der Oberhitzegrill

Posted in : Allgemein, Gadget, Grill, Mythen on by : Frank Gillmeister

Print Friendly, PDF & Email

Wenn man in 2018 eines beobachten konnte, dann den Trend zu Oberhitzegrills (OHG). Wer damit ad hoc nichts anfangen kann, ich meine die diversen Derivate des Ur-Beefers.

Flashback: als der Beefer vor wenigen Jahren das Licht der Welt erblickte, ging ein Raunen durch die Grillwelt. Ein Gerät, das mit über 800° Steaks mal so richtig scharf angrillt, und somit den perfekten Fleischgenuss versprach.

Es dauerte nicht lange, und es gab diverse Ableger. Vom Prinzip alle gleich: ein oder mehrere Infrarot-Heizstrahler, die mit Gas betrieben werden, und dem guten Stück Fleisch aber mal so richtig einheizen. Unterschiede waren lediglich in der Größe der Grillfläche und der Handhabung zu erkennen. Gemeinsam hatten alle, dass sie die Preisklasse deutlich oberhalb der 500,00 EUR bedienten.

Natürlich gierte das nach Innovationen lechzende Grillervolk nach bezahlbareren Geräten, und so geschah es in diesem Jahr, dass die bekanntesten Baumarktketten des Landes zeitgleich mit nahezu identischen Produkten unter EUR 300,00 den Markt aufmischten. Aber das untere Ende der Preisskala war noch nicht erreicht. Mitten im Höhepunkt des Grillerjahres, als alle Welt Ferien hatte, ließ der nördliche Teil einer bekannte Discounterkette die Bombe platzen: ein Oberhitzegrill für sage und schreibe EUR 149,00.

Es geschah, was geschehen musste: ein Hype brach los, der in der Szene so nur selten vorkommt. Die Profi-Blogger überschlugen sich mit Tests in Schrift- und Videoform, die Community, die aufgrund der regionalen Begrenzung des Angebotes leer auszugehen drohte, brodelte und versuchte alles, um mittels Vitamin B an die Lösung aller Grillprobleme zu kommen.

Ich gebe zu, dass ich in dieser Zeit auch darüber nachgedacht habe, entweder früh morgens ein paar Kilometer in den Norden zu fahren, oder irgendjemanden zu nötigen, das für mich auf sich zu nehmen.

Heute, ein paar Wochen nach dem Tag, an dem das Angebot binnen 10 Minuten restlos ausverkauft war, bin ich froh, das meine innere Stimme der Vernunft gesiegt hat.

Vorab: das Prinzip, dass hinter den Oberhitzegrills steckt, ist einleuchtend und nachvollziehbar. Die extremen Temperaturen sorgen für eine umgehende „Karamellisierung“ der Fleischoberfläche und die damit verbundene Kruste und die Röstaromen, die wir alle so lieben. Das Ganze nennt sich Maillard-Reaktion, und ist nicht erst seit dem Beefer bekannt.

Ein Mythos ist aber, dass es Temperaturen nahe dem Sonneninneren braucht, um eine vernünftige Maillard-Reaktion zu provozieren. Die Reaktion beginnt bereits bei ca. 120°C, ab ca. 180°C kommt die Pyrolyse dazu. Ein OHG macht also nichts anderes, als die Maillard-Reaktion zu beschleunigen. Dadurch kommt weniger Hitze ans Fleischinnere, was dann anschließend bei indirekter Hitze auf den gewünschten Gargrad gezogen werden kann.

Mein Gasgrill z.B. erreicht mit seinen 4 Brennern innerhalb von 12 Minuten auf Rosthöhe eine Temperatur von 300°C. Unter einem Pizza-Aufsatz auch gerne über 400°C. Damit kann man hervorragend eine schöne Kruste produzieren.

Brauche ich also einen OHG? Im Moment heißt meine Antwort nein. Und zwar nicht, weil ich es mir nicht leisten könnte, sondern weil ich die Notwendigkeit nicht sehe. Die meisten günstigen OHG sind, bei aller optischer Ähnlichkeit, mit den Top-Geräten nämlich nicht zu vergleichen. Die so wichtige Hitzeverteilung ist unregelmäßig, was den brauchbaren Bereich des OHG deutlich einschränkt. Dann ist die Höhenverstellung nicht optimal gelöst, da man je nach Dicke des Fleisches wegen der festen Einschübe nicht nah genug an den Brenner kommt.

Gott sei Dank haben nach den vorpreschenden Profi-Bloggern, denen ich gar keine böse Absicht unterstellen möchte, ein paar unabhängige und nicht kommerzielle Kanäle die Lobreden relativiert und den tatsächlichen Nutzen der Geräte realistisch dokumentiert. Das hat mich letzten Endes dazu bewogen, von der Anschaffung eines OHG erst einmal Abstand zu nehmen.

Ich kenne aber auch eine noch kostengünstigere Alternative:

Couleur / Pixabay

Ja, einen Anzündkamin kann man hervorragend als OHG nutzen: Briketts durchglühen, die Asche einmal auf Stein abklopfen, und auf ein passendes Stück Fleisch auf einem Rost stellen. Nach ca. 30-60 Sekunden einmal das Fleisch wenden, und nach der gleichen Zeit ist das gute Stück angegrillt. Mit der Kohle kann dann der Grill in aller Ruhe indirekt eingerichtet und das Fleisch auf den Punkt gegart werden.

Wie stehst Du zu Oberhitzegrills? Deine Meinung kannst Du in den Kommentaren hinterlassen.

In diesem Sinne guten Appetit in der Küche und am Grill.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere